Korrektionsschutzbrille: Wann sich die Investition am Arbeitsplatz auszahlt
Wer täglich am Arbeitsplatz eine Brille trägt, kennt das Problem: Overglass-Schutz drückt, beschlägt und verzerrt. Die Korrektionsschutzbrille löst das dauerhaft.
Warum die Overglass-Lösung selten die richtige ist
Eine Schutzbrille über der eigenen Korrektionsbrille getragen ist eine Notlösung: doppelte Reflexe, eingeschränktes Sichtfeld, Druckstellen am Nasenrücken und beschlagene Scheiben nach wenigen Minuten. Für den kurzen Werkstattbesuch akzeptabel – für den Dauerarbeitsplatz nicht.
Rechtliche Grundlage in der Schweiz und DACH
Die SUVA (Schweiz), die DGUV I 250-005 (Deutschland) und österreichische Vorschriften stellen klar: Wer am Arbeitsplatz eine Sehhilfe braucht und Augenschutz tragen muss, hat Anspruch auf eine Korrektionsschutzbrille. Der Arbeitgeber trägt die Grundkosten für PSA-Komponenten (Fassung mit EN-166-Zertifizierung, Basisgläser). Aufpreise für höherwertige Gläser sind verhandelbar.
Wann sich die Investition lohnt
- Tragedauer ab 2 Stunden PSA pro Tag
- Bildschirmarbeit in Kombination mit Werkstattgang
- Fein- und Präzisionsarbeiten (Elektronik, Uhrmacher, Labor)
- Sicherheitsrelevante Sichtaufgaben (Fahrer, Kranführer, Instandhalter)
- Wechselnde Lichtverhältnisse – phototrope Gläser reduzieren Blendung
Der Ablauf: von der Sehbestimmung zur fertigen Brille
- Sehbestimmung beim Augenoptiker oder Betriebsoptiker (max. 24 Monate alt).
- Fassungsauswahl aus zertifizierten EN-166-Modellen – die Auswahl hängt von Arbeitsumgebung und Kopfform ab.
- Glasempfehlung: Kunststoff (Standard), Trivex (extra bruchfest), phototrop, entspiegelt, mit Anti-Beschlag- oder Blaulichtfilter.
- Fertigung im Labor: 5–10 Arbeitstage.
- Anpassung vor Ort: Bügel biegen, Nasensteg justieren, Sitzprobe.
- Nachkontrolle nach 2–3 Wochen – kleine Sitzkorrekturen sind normal.
Welche Fassung für welche Branche
- Metallverarbeitung: geschlossener Rahmen, integrierter Seitenschutz, F-Stoßfestigkeit.
- Chemie / Labor: Bügelbrille mit abnehmbarem Silikon-Seitenschutz, ggf. OTG-Korbbrille zusätzlich für Spritzarbeit.
- Bau / Instandhaltung: robuste Kunststofffassung, B-Stoßfestigkeit, Anti-Beschlag Pflicht.
- Elektronik / Feinmontage: leichte Titanfassung, entspiegelte Gläser, ggf. Bildschirmarbeitsplatzbrille.
- Logistik / Kranführer: phototrope Gläser gegen Blendung, F oder B Stoßklasse.
Zwei häufige Denkfehler
- „Meine Alltagsbrille reicht mit Sicherheitsclip.“ – Nein. Clip-Systeme sind nur zusätzlich zu EN-166-zertifizierten Fassungen zugelassen.
- „Gleitsicht funktioniert nicht als Schutzbrille.“ – Doch. Moderne Gleitsichtgläser mit erweitertem Nahbereich sind in vielen Fassungen möglich. Wichtig ist die Beratung durch einen erfahrenen Fachpartner.
Häufige Fragen
- Zahlt der Arbeitgeber die komplette Korrektionsschutzbrille?
- Die Grundkosten (zertifizierte Fassung, Basisgläser) sind in der Regel PSA-Pflichtleistung des Arbeitgebers. Aufpreise für höherwertige Gläser wie Gleitsicht oder phototrop werden häufig anteilig oder komplett übernommen – Details regelt der Betrieb.
- Wie lange dauert die Anfertigung?
- Nach abgeschlossener Sehbestimmung und Fassungswahl vergehen typischerweise 5 bis 10 Arbeitstage bis zur fertigen Brille.
- Kann ich Gleitsicht in einer Schutzbrille fahren?
- Ja, viele moderne EN-166-Fassungen sind Gleitsicht-tauglich. Voraussetzung ist eine ausreichend hohe Scheibe und eine sorgfältige Zentrierung durch den Augenoptiker.
- Muss ich die Sehbestimmung selbst bezahlen?
- Die Sehbestimmung wird meist vom Fachpartner oder Betriebsoptiker durchgeführt und im Rahmen der PSA-Versorgung mit dem Arbeitgeber abgerechnet.
Fragen zum Thema?
Unsere Fachpartner beraten dich vor Ort — von der Auswahl bis zur individuellen Anpassung.
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